Amazon-Verkäuferkonto gesperrt, was tun?

Amazon war bereits 2021 für 56 % des deutschen E-Commerce Umsatzes verantwortlich. Mittlerweile sind viele Unternehmen von der Plattform abhängig. Eine Sperrung des Amazon-Kontos kann für sie existenzbedrohend sein.

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Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Können wegen einer Sperrung keine Produkte verkauft werden, bedeutet das Umsatzverlust – es zählt also jeder Tag. Aber auch für Privatpersonen ist es ärgerlich, nicht mehr auf das Amazon-Konto zugreifen zu können.

Wie Sie vorgehen, wenn Ihr Amazon-Konto gesperrt wurde und wie Sie eine Sperrung vermeiden können, erklären wir in diesem Beitrag.

Sperre bei Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen

Wir behalten uns das Recht vor, Ihnen Amazon Services vorzuenthalten oder Konten zu kündigen, wenn Ihr Verhalten berechtigten Grund dazu gibt. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn Sie gegen anwendbares Recht, vertragliche Vereinbarungen, unsere Richtlinien oder unsere Grundsätze verstoßen, die sämtlich auf unserer Webseite zugänglich sind. Ungeachtet einer solchen Einschränkung oder Kündigung haben Sie weiterhin Zugriff auf von Ihnen zuvor erworbene Inhalte und Dienstleistungen.

Amazon-Nutzungsbedingungen (Stand: 14.08.2023)

Unternehmenskonto auf Amazon gesperrt

Es gibt viele Gründe, warum ihr Unternehmenskonto von Amazon gesperrt wurde. Besonders fehleranfällig sind unter anderem die Bewertungen auf Amazon. Freund:innen oder Familienmitglieder um Bewertungen bitten, ein gratis Produkt oder Rabatt im Tausch gegen eine 5-Sterne-Bewertung? Alles Verstöße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und ein Grund für die Sperrung Ihres Kontos. Beachten Sie daher unbedingt unsere Tipps für die Werbung im Empfehlungsmarketing.

Auch zu viele Reklamationen ihrer Kund:innen können zur Sperrung führen.

Häufiger dürfte aber das Problem der Verletzung fremder Schutzrechte sein: Wird Ihr Profil gemeldet, zum Beispiel, weil Sie für ein Angebot Bilder nutzen, an denen Sie keine Urheberrechte haben oder weil Ihr Angebot eine Markenverletzung beinhaltet, wird Ihr Profil von Amazon oftmals für die Zeit der Überprüfung gesperrt.

Privates Amazon-Konto gesperrt

Wenn Ihr privates Amazon-Konto gesperrt wurde, kann das zum Beispiel daran liegen, dass Sie zu viele Produkte retournieren. Amazon ist grundsätzlich für seine sehr kulante Retourenpolitik bekannt. Wann hier der Bogen überspannt ist und viele Retouren zu viele werden, lässt sich nicht prinzipiell sagen. Wer gelegentlich Produkte zurückschickt, wird sicherlich keine Probleme bekommen.

Kommt es bei Ihnen zu Zahlungsrückständen, weil Sie offenen Rechnungen zum Beispiel durch Rücklastschriften nicht ausgeglichen haben, kann ihr Konto ebenfalls gesperrt werden.

Konto entsperren – wie gehen Sie vor?

Wenn Ihr Konto gesperrt wurde, sollten Sie zuerst den Support von Amazon kontaktieren und um die Gründe bitten, damit Sie dazu Stellung nehmen können. Fordern Sie Amazon am besten direkt dazu auf, Ihr Profil wieder zu entsperren.

Reagiert Amazon nicht oder wird Ihr Profil nicht entsperrt, sollten Sie sich an eine Rechtsanwaltskanzlei wenden. Ein anwaltliches Aufforderungsschreiben mit entsprechender Fristsetzung führt oftmals schon zum Erfolg. Dabei kommt es natürlich immer darauf an, ob tatsächlich ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen oder geltendes Recht vorlag.

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Rechtsanwalt 

 

Keine Entsperrung? Eil- und Klageverfahren

Luxemburgisches Recht

Nach den Amazon-Bedingungen gilt luxemburgisches Recht. Gerade für kleine Unternehmen ist dies eine große Hürde. Wir beraten Sie zu Ihren Möglichkeiten.

Erfolgt keine Entsperrung, muss gegebenenfalls gerichtlich vorgegangen werden. Für Streitigkeiten im Zusammenhang mit gewerblichen Konten ist grundsätzlich luxemburgisches Recht anwendbar und es sind luxemburgische Gerichte zuständig.

Das heißt auch, dass nicht nach deutschem Recht vor hiesigen Gerichten geklagt werden kann. Anders sieht es zum Beispiel aber das Landgericht Stuttgart, dort ist man der Ansicht, dass im einstweiligen Rechtsschutz deutsches Recht anwendbar sein kann (LG Stuttgart, Urteil vom 22.4.2021 – 11 O 10/21). Das galt jedenfalls damals, da – nach Ansicht des Gerichts – im Rahmen des Eilverfahrens die Rechtslage nicht ermittelt werden könne. Es ist fraglich, ob dieser Gedanke zwei Jahre später immer noch verfängt.

Wie Sie zukünftige Sperrungen vermeiden

Eine erneute Sperrung ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch dazu führen, dass Sie von Amazon keine ausführliche Begründung mehr hinsichtlich der Gründe bekommen, die zur Sperrung geführt haben. So hat das Landgericht München I bereits entschieden, dass es reicht, wenn Sie darüber informiert werden, dass die Sperrung darauf beruht, dass Sie ein bereits von Amazon beanstandete Handlung erneut begangen haben.

Amazon ist von der Mitteilung konkreter Beanstandungsgründe entbunden, wenn das Konto bereits in der Vergangenheit aufgrund einer Pflichtverletzung gesperrt wurde und in der Begründung für die Sperrung nunmehr auf eine gleichartige Pflichtverletzung Bezug genommen wird.

LG München I, Urteil vom 12.5.2021 – 37 O 32/21

Achtung vor Phishing-Mails!

Wenn Sie eine E-Mail von Amazon bekommen, sollten Sie diese immer sehr aufmerksam prüfen und nicht unbedacht auf enthaltene Links klicken. Meist täuschen die Täter vor, dass Ihr Konto kompromittiert wurde („Achtung – ein Dritter hat möglicherweise Zugriff auf Ihr Konto“) und fordern Sie auf, Ihr Konto zu überprüfen. Diese Überprüfung dient aber nur dazu, dass die Täter an Ihre Login-Daten kommen. Mit diesen Login-Daten bestellen die Täter unter anderem Ware, leiten Zahlungen auf ihr Konto um oder begehen Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen, für die das Profil dann gesperrt wird.

Geben Sie daher niemals Ihre Login-Daten weiter, wenn Sie sich nicht absolut sicher sind, dass Sie sich auf der offiziellen Seite von Amazon befinden.

Wie Sie Phishing-Mails erkennen:

  • Rechtschreibfehler im Text
  • Drohung, dass Ihr Profil gelöscht wird, wenn Sie nicht reagieren
  • leicht abweichende E-Mail-Adresse (hier immer mit offiziellen Mails von Amazon vergleichen)
  • abweichende URL, wenn Sie auf enthaltene Links klicken
  • Kein Impressum etc. auf der Webseite
  • leicht abweichendes Design

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