- 1. Welche Arten von Fake-Accounts auf TikTok gibt es?
- 2. Wann ist ein Fake-Account auf TikTok strafbar?
- 3. Wann sind Fake-Accounts bei TikTok rechtswidrig?
- 4. Wie kann ich einen Fake-Account bei TikTok löschen lassen?
- 5. Ermittlung von Tätern: Wie vorgehen?
- 6. Schadensersatz wegen eines Fake-Accounts?
- 7. FAQ: Gegen Fake-Accounts bei TikTok vorgehen
Welche Arten von Fake-Accounts auf TikTok gibt es?
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Fake-Accounts erstellt werden. Generell können folgende Arten unterschieden werden:
- Identitätsdiebstahl: Ein Account trägt Ihren Namen, Ihr Profilbild, vielleicht auch Ihren Bio-Text. Nach außen wirkt er wie Ihr echter Kanal. Solche Accounts werden genutzt, um Follower zu täuschen, Nachrichten in Ihrem Namen zu versenden oder um Geldbeträge oder Zugangsdaten zu ergaunern.
- Gestohlener Content, fremde Reichweite: Andere laden Ihre Videos einfach herunter und laden sie auf einem eigenen Account wieder hoch. Ziel ist meist die Monetarisierung Ihrer Inhalte: Follower, Creator-Fund-Auszahlungen, Werbepartnerschaften. Für Sie bedeutet das nicht nur Reichweitenverlust, sondern es kann wirtschaftliche Folgen haben. Hierzu haben wir bereits einen ausführlichen Artikel veröffentlicht.
- Fake-Follower-Betrug: Accounts, die Ihren Namen und Ihre Optik imitieren, wenden sich gezielt mit Gewinnspielen, Produktangeboten oder Spendenaufrufen in Ihrem Namen an Ihre Community. Ihre Follower werden betrogen, Ihr Ruf leidet.
- Deepfakes: Mit frei zugänglicher KI lassen sich Videos erstellen, in denen Ihr Gesicht und Ihre Stimme Dinge sagen, die Sie nie gesagt haben. Was früher technisches Nischenthema war, ist heute mit wenigen Klicks möglich und auf einer videobasierten Plattform wie TikTok besonders relevant.
Wann ist ein Fake-Account auf TikTok strafbar?
Ein Fake-Account ist nicht von vornherein strafbar, aber es kommen verschiedene Straftatbestände in Betracht. Es kommt allerdings auf den Einzelfall an.
Straftaten durch Fake-Accounts
- Beleidigung (§ 185 StGB)
- Üble Nachrede (§ 186 StGB)
- Verleumdung (§ 187 StGB)
- Verletzung des Rechts am eigenen Bild (§ 33 KUG)
- Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke (§ 106 UrhG)
- Nachstellung (§ 238 StGB)
Um ein Verfahren einzuleiten, bedarf es einer Strafanzeige bei den Ermittlungsbehörden. Einige Straftatbestände setzen zusätzlich einen Strafantrag der betroffenen Person voraus.
Wann sind Fake-Accounts bei TikTok rechtswidrig?
Neben dem Strafrecht können Fake-Accounts auch zivilrechtlich eine Rechtsverletzung darstellen. Entscheidend ist, ob der Account eine Verwechslungsgefahr oder eine Zuordnungsverwirrung erzeugt: Können unbeteiligte Dritte glauben, der Account stamme tatsächlich von der betroffenen Person?
Das ist regelmäßig dann der Fall, wenn der Account den gleichen Namen trägt, Fotos der Person verwendet oder deren Inhalte so übernimmt, dass ein Betrachter davon ausgeht, sie entstammen dem Profilersteller.
„Gegen Fake-Accounts bei TikTok können Sie vorgehen. Entscheidend ist, schnell und effektiv zu handeln. Wir unterstützen Sie mit unserer Erfahrung.“
Die Schwelle zur Persönlichkeitsrechtsverletzung ist dann überschritten, wenn Handlungen und Äußerungen auf eine Person zurückgeführt werden, die diese so nie getätigt hat. Gleiches gilt für die Verwendung eines Namens: Unbefugtes Tragen des Namens eines anderen verletzt das Namensrecht aus § 12 BGB, unabhängig vom Entstehen eines wirtschaftlichen Schadens.
- Namensrecht (§ 12 BGB): Verwendet ein Account den Namen einer Person ohne deren Zustimmung, liegt ein Verstoß gegen das Namensrecht vor. Geschützt ist dabei nicht nur der bürgerliche Name, sondern unter Umständen auch ein Künstlername oder eine etablierte Berufsbezeichnung. Auch Unternehmen können sich auf einen entsprechenden Schutz berufen, da ihnen ein Unternehmenspersönlichkeitsrecht zukommt.
- Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG): Jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob und in welchem Zusammenhang Aufnahmen von ihm veröffentlicht werden. Die unbefugte Nutzung von Fotos durch ein Fake-Profil verletzt dieses Recht – und besonders gravierend wird es, wenn Name und Bild gleichzeitig missbräuchlich eingesetzt werden, weil sich Verwechslungsgefahr und Täuschungswirkung dann gegenseitig verstärken.
- Allgemeines Persönlichkeitsrecht: Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt das Recht, so dargestellt zu werden, wie man ist. Wer durch einen Fake-Account in ein falsches Licht gerückt oder mit fremden Äußerungen in Verbindung gebracht wird, kann sich hierauf berufen. Es fungiert als Auffangtatbestand für alle Verletzungen, die das Namensrecht oder das Recht am eigenen Bild nicht bereits erfassen.
Grauzone: Satire, Parodien und leichte Veränderungen?
Im Fall Böhmermann hatte der X-Fake Account den Namenszusatz „parody“. Trotzdem liegt laut dem LG Köln (Beschl. v. 28.01.2025 – 28 O 30/26) eine Persönlichkeits- und Namensrechtsverletzung vor. Im Fall von X bestehen eigene Richtlinien, ab welcher Grenze Parodien zulässig sind. Es muss in jedem Fall zweifelsfrei erkennbar sein, dass es sich bei dem Profil um eine Parodie handelt.
Wie kann ich einen Fake-Account bei TikTok löschen lassen?
Das vorrangige Ziel der meisten Betroffenen ist klar: Das Profil soll so schnell wie möglich verschwinden. Der erste Schritt ist die Meldung direkt bei der Plattform.
Der Digital Services Act (DSA), die europäische Regulierung für Online-Plattformen, verpflichtet Anbieter wie X, Instagram oder TikTok dazu, rechtswidrige Inhalte zügig zu entfernen, sobald sie darüber informiert werden. Kommen sie dem nicht nach, haften sie selbst für den Inhalt und Betroffene können direkt gegen den Plattformbetreiber vorgehen. Eine gut dokumentierte Meldung ist damit nicht nur ein erster Schritt, sondern auch Ihre Grundlage für weitergehende rechtliche Maßnahmen.
Schritt für Schritt: Fake-Account bei TikTok löschen lassen
- Fake-Account bei TikTok melden: Gehen Sie auf das Profil, klicken Sie auf die drei Punkte, dann auf „Melden“ und „Konto melden“. Wählen Sie dann die Option „Jemand gibt sich als eine andere Person aus“. Dokumentieren Sie alle Schritte durch Screenshots. Bereits in diesem Stadium kann eine Vertretung durch eine Anwaltskanzlei sinnvoll sein, um sicherzugehen, dass die Meldung alle Informationen enthält, die nötig sind.
- E-Mail an TikTok: Schreiben Sie TikTok zusätzlich per E-Mail und fordern Sie die Plattform zur Löschung auf. Geben Sie dafür den Link an, unter dem der Account erreichbar ist und erklären Sie unter Vorlage von Nachweisen, dass Ihre Rechte verletzt werden. Setzen Sie eine Frist zur Löschung.
- Anwaltliche Abmahnung: Sollte TikTok nicht reagieren, können Sie die Plattform anwaltlich zur Löschung auffordern.
- Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung: Kommt TikTok der Aufforderung immer noch nicht nach, haftet die Plattform auf Unterlassung und kann im Wege eines gerichtlichen Eilverfahrens zur Unterlassung verpflichtet werden.
Monatsfrist beachten!
Für ein gerichtliches Eilverfahren bleibt in der Regel nur ein Monat ab Kenntnisnahme von dem Fake-Account. Wer zu lange wartet, riskiert, diesen Weg zu verlieren. Schnelles Handeln ist daher entscheidend. Melden Sie sich schnell!
In der Praxis lässt sich eine Löschung in der Regel innerhalb einer Woche erreichen; in besonders dringenden Fällen – etwa wenn das Profil aktiv für Betrug genutzt wird – ist eine Durchsetzung innerhalb weniger Tage möglich, etwa im Wege einer einstweiligen Verfügung.
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Ermittlung von Tätern: Wie vorgehen?
Die Löschung des Profils beseitigt erstmal das Schlimmste. Wer jedoch sichergehen will, dass der Betreiber nicht einfach einen neuen Account anlegt, oder wer Schadensersatz geltend machen möchte, muss wissen, mit wem er es zu tun hat. Das ist oft der schwierigste Teil, denn Fake-Accounts sind in der Regel bewusst anonym.
Zwei Wege führen hier weiter: Zum einen die Strafanzeige. Fake-Accounts können strafbar sein! Sobald ein Ermittlungsverfahren eingeleitet ist, können die Behörden Bestandsdaten beim Plattformbetreiber anfordern, also IP-Adressen, Registrierungsdaten und Ähnliches. Zum anderen besteht die Möglichkeit einer Bestandsdatenauskunft nach dem TDDDG (Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz), die unter bestimmten Voraussetzungen auch zivilrechtlich durchgesetzt werden kann.
Steht die Identität des Betreibers fest, eröffnen sich weitere Möglichkeiten: Ein Unterlassungsanspruch kann direkt gegen die Person geltend gemacht werden, verbunden mit einer Strafe für den Fall, dass das Verhalten wiederholt wird. In schwerwiegenden Fällen kommt zudem ein Schadensersatzanspruch gegen den Täter persönlich in Betracht.
Schadensersatz wegen eines Fake-Accounts?
Schadensersatz wegen eines Fake-Accounts ist grundsätzlich möglich, aber an Voraussetzungen geknüpft. Grundsätzlich muss ein konkreter Schaden nachgewiesen werden: entgangene Aufträge, nachweisbare Umsatzeinbußen oder vergleichbare wirtschaftliche Nachteile. Das erfordert in der Regel eine genaue Dokumentation.
In Fällen besonders schwerwiegender oder anhaltender Persönlichkeitsrechtsverletzungen kann darüber hinaus ein immaterieller Schadensersatz, also Schmerzensgeld, verlangt werden. Ob und in welcher Höhe ein solcher Anspruch realistisch ist, hängt stark vom Einzelfall ab. Eine anwaltliche Einschätzung hilft hier, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und Ihre Ansprüche konsequent durchzusetzen.
Fake-Account entdeckt? Das sollten Sie jetzt tun!
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Dokumentieren
Machen Sie sofort Screenshots: Profilname, Profilbild, Beiträge, Followerzahl, Datum und Uhrzeit. Diese Dokumentation ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
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Bei der Plattform melden
Nutzen Sie die Meldefunktion und benennen Sie die Rechtsverletzung so konkret wie möglich. Dank des Digital Services Act sind Plattformen zu einer zügigen Reaktion verpflichtet.
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Anwalt einschalten: Auf die Meldung wurde nicht reagiert oder Sie befürchten weitere Schäden?
Melden Sie sich jetzt! Die Fristen für gerichtliche Eilverfahren sind kurz, die Rechtslage komplex. Wer zu lange wartet, verliert unter Umständen wichtige Handlungsoptionen.
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Strafanzeige erstatten
Wenn das Profil aktiv für Betrug, Erpressung oder Beleidigung genutzt wird, sollten Sie Strafanzeige erstatten. Das Ermittlungsverfahren kann helfen, die Identität des Täters aufzudecken.
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Eigenes Umfeld informieren:
Wenn der Account bereits aktiv Nachrichten verschickt oder Inhalte verbreitet, die mit Ihnen in Verbindung gebracht werden: Ein kurzer Hinweis auf Ihren echten Kanälen begrenzt den Schaden, bevor er sich ausweitet.




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