Darum sollten Unternehmer keine Musik von Instagram nutzen

Instagram stellt seinen Nutzer:innen für Videos eine Auswahl an Musik bereit. Mittlerweile aber häufen sich Abmahnungen von Plattenfirmen gegenüber Gewerbetreibenden. Der Vorwurf: Urheberrechtsverletzung. Wir erklären, wann Musik für Reels bei Instagram genutzt werden darf.

Musik urheberrechtlich geschützt

Wenn Sie Musik für Ihr Instagram Reel verwenden wollen, benötigen Sie im Grundsatz eine Erlaubnis. Denn die Rechteinhaber:innen entscheiden darüber, ob ihre Werke verwendet werden dürfen oder nicht.

Veröffentlichen Sie ein Video mit Musik ohne Erlaubnis, verletzen Sie das Urheberrecht. In der Folge können die Rechteinhaber:innen mit einer Abmahnung von Ihnen verlangen, dass Sie die Nutzung unterlassen und einen Schadensersatz zahlen.

Naheliegend ist die Frage: Was ist mit der Musik, die Instagram selbst bereitstellt?

Musikbibliothek von Instagram

Darf die von Instagram bereitgestellte Musik genutzt werden?

Viele Nutzer:innen gehen davon aus: Wenn ich Musik in der Bibliothek bei Instagram auswählen kann, darf ich sie auch nutzen. Das aber ist ein Trugschluss. Denn entscheidend ist, ob die Rechteinhaber:innen die konkrete Nutzung erlaubt haben. Nur weil Instagram die Musik bereitstellt, bedeutet dies nicht, dass Sie ein Recht dazu haben, sie in Ihren Videos einzubinden.

Die Musik-Richtlinien von Instagram beantworten die Frage, in welchem Umfang Musik verwendet werden darf. In diesen heißt es, dass Nutzer:innen allein verantwortlich für die von ihnen geposteten Inhalte sind und dies „auch für jegliche in dem jeweiligen Inhalt präsentierte Musik“ gelten soll.

Weiter schreibt Instagram, dass eine gewerbliche Nutzung nicht erlaubt ist:

„Kein Teil in diesen Nutzungsbedingungen stellt irgendeine Genehmigung durch uns hinsichtlich der Nutzung von Musik auf unseren Produkten dar. Insbesondere die Nutzung von Musik für gewerbliche oder nicht private Zwecke ist verboten, es sei denn, du hast entsprechende Lizenzen eingeholt.“

Instagram Musik-Richtlinien (Hervorhebung durch uns)

Mit anderen Worten: Jedes Unternehmen, das bei Instagram Musik verwendet, muss vorab bei den Rechteinhaber:innen eine Lizenz erworben haben. Dabei kommt es auf die Größe nicht an, auch kleine Handwerksbetriebe oder Selbstständige dürfen nicht auf die von Instagram bereitgestellte Musik zurückgreifen.

Abmahnung im Urheberrecht erhalten?

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Abmahnungen wegen gewerblicher Nutzung

In den vergangenen Wochen haben wir als Kanzlei mehrere Abmahnungen und Berechtigungsanfragen wegen der Nutzung von Musik bei Instagram bearbeitet. Es handelte sich zumeist um kleine Selbstständige wie Friseure oder Designerinnen, die sich auf die Musikbibliothek verlassen und keine Lizenz gekauft hatten.

Die Rechteinhaber:innen langten dabei mitunter ordentlich zu: In einem Fall wurden Lizenzgebühren in Höhe von 10.000 € gefordert. Hinzu traten Anwaltskosten und natürlich sollten die Betroffenen die Verwendung der Musik unterlassen.

Diese Abmahnungen sind in jedem Fall ernstzunehmen. Unternehmen sollten sich absichern und unbedingt prüfen, ob sie die erforderlichen Rechte für die Veröffentlichung von Musik, aber auch Videos und Fotos, haben.

Aber selbst wenn eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, bedeutet dies noch nicht, dass die Abmahnung zulässig ist. Ein Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht kann Ihnen bei der Einschätzung der Rechtslage helfen und Risiken aufdecken.

Checkliste: Vorgehen bei Abmahnungen

  1. Nicht den Kopf in den Sand stecken!

    Augen schließen und hoffen, dass nichts weiter passiert? Keine gute Idee, denn dadurch wird das Problem mit hoher Wahrscheinlichkeit nur größer.

  2. Gegenseite nicht selbst kontaktieren!

    Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben, sollten Sie nicht selbst mit der Gegenseite sprechen. Denn es besteht das Risiko, dass Sie unbewusst Informationen offenbaren, die für Sie nachteilig sind. Dies kann eine spätere Verteidigung erschweren.

  3. Fristen prüfen!

    Wie lange haben Sie, um auf die Aufforderung zu reagieren? Nehmen Sie die Fristen auch dann ernst, wenn sie sehr kurz. Denn nur so können Sie unnötige Kosten vermeiden, beispielsweise wenn die Gegenseite nach Fristablauf eine einstweilige Verfügung beantragt.

  4. Auf Spezialist:innen setzen!

    Das Urheberrecht ist eine komplizierte Spezialmaterie, daher sollten Sie sich unbedingt von Anwält:innen beraten lassen, die sich mit Abmahnungen auskennen. Nur so können Sie sicher sein, dass keine wichtigen Punkte übersehen werden.

Über den Autor

Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge

Dr. Jasper Prigge, LL.M., ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Er berät Unternehmen und Verbände vor allem in Fragen des Urheberrechts und IT-Rechts. Weitere Schwerpunkte sind das Presserecht und Krisenkommunikation.

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