Wir erklären, welche Arten von Fake-Accounts auf Instagram besonders häufig vorkommen, wann welche rechtlichen Ansprüche bestehen und wie Betroffene effektiv gegen Fake-Profile vorgehen können.
Welche Arten von Fake-Accounts sind denkbar?
Fake-Accounts auf Instagram treten in ganz unterschiedlichen Formen auf. Teilweise geht es lediglich darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen oder Reichweite aufzubauen. Häufig stehen jedoch wirtschaftliche Interessen, Betrug oder gezielte Rufschädigung im Hintergrund.
Besonders verbreitet sind Profile, die Namen, Bilder und Inhalte realer Personen übernehmen und dadurch den Eindruck eines offiziellen Accounts vermitteln. Für Außenstehende ist oft kaum erkennbar, dass es sich nicht um das echte Profil handelt.
Auf unsere Erfahrung im Bereich Persönlichkeitsrechte im Internet können Sie sich verlassen.
Typische Fälle sind etwa:
- Fake-Profile mit kopierten Bildern und identischer Bio,
- angebliche Zweitaccounts von Influencern,
- Fake-Unternehmensprofile,
- Accounts, die Follower per Direktnachricht kontaktieren,
- Reupload-Accounts mit fremden Reels oder Storys.
Gerade auf Instagram entstehen viele Schäden nicht öffentlich sichtbar, sondern über Direktnachrichten. Immer wieder werden Nutzer etwa mit angeblichen Kooperationen, Investmentangeboten oder Verifizierungsanfragen kontaktiert. Betroffene erfahren davon häufig erst, wenn sich Follower oder Kunden melden.
Daneben kommt es regelmäßig vor, dass Bilder, Reels oder Storys vollständig übernommen und auf anderen Accounts erneut veröffentlicht werden. Besonders für Creator, Unternehmen und Influencer kann dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Reichweite wird so vielleicht umgeleitet, Markenauftritte verwässert und Kooperationen gefährdet.
Hinzu kommt die zunehmende Verbreitung KI-generierter Inhalte. Mit frei verfügbaren Tools lassen sich inzwischen täuschend echte Bilder oder Videos erstellen, die Personen Aussagen oder Handlungen zuschreiben, die tatsächlich nie stattgefunden haben. (Mehr dazu in diesem Artikel.)
Wann sind Fakeprofile rechtswidrig?
Nicht jedes Fake-Profil ist automatisch rechtswidrig. Entscheidend ist vor allem, ob eine Verwechslungsgefahr entsteht oder Rechte der betroffenen Person verletzt werden.
Die zentrale Frage lautet:
Können andere Nutzer annehmen, dass der Account tatsächlich von der betroffenen Person stammt?
Das ist insbesondere dann der Fall, wenn:
- Name,
- Profilbild,
- Inhalte oder Schreibweise
gezielt übernommen werden.
Achtung!
Metas Community-Standards sind hier strenger als die gesetzlichen Vorgaben. Wer Fake-Accounts erstellt, riskiert, von Meta gesperrt zu werden, auch wenn die Grenze zur Rechtswidrigkeit noch nicht überschritten wurde. Das nennt sich Kontointegrität. Wir haben hier einen ausführlichen Artikel zum Thema.
Aufseiten der betroffenen Person können gleich eine ganze Reihe an Rechten verletzt sein. Relevant sind dabei insbesondere das Namensrecht, das Recht am eigenen Bild und das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Wer ohne Zustimmung den Namen oder die Fotos einer anderen Person verwendet, verletzt regelmäßig deren Rechte. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern unter Umständen auch für Unternehmen, Marken oder Künstlernamen.
Besonders problematisch wird es, wenn Betroffene durch den Fake-Account in ein falsches Licht gerückt oder mit Aussagen in Verbindung gebracht werden, die nie getätigt wurden. Das betrifft etwa manipulierte Bilder, beleidigende Inhalte oder täuschend echte Deepfakes.
Nicht jede Nachahmung ist jedoch automatisch unzulässig. Satire- oder Parodieaccounts können zulässig sein, solange für Dritte eindeutig erkennbar bleibt, dass gerade kein offizieller Account vorliegt.
Strafbarkeit von Fake-Profilen
Unter Umständen sind Fake-Profile sogar strafbar. Je nach Gestaltung und Nutzung kommt in Betracht:
- Beleidigung (§ 185 StGB),
- Verleumdung (§ 187 StGB),
- Nachstellung (§ 238 StGB),
- Betrug (§ 263 StGB),
- Verstöße gegen das Kunsturhebergesetz,
- Urheberrechtsverletzungen.
Ob tatsächlich eine Straftat vorliegt, hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Gerade bei Betrugsfällen über Direktnachrichten oder gezielter Rufschädigung kann eine Strafanzeige sinnvoll sein.
Was können Betroffene konkret tun?
Für Betroffene steht meist zunächst die schnelle Entfernung des Fake-Profils im Vordergrund. Der erste Schritt führt regelmäßig über die Meldefunktion von Instagram.
Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen dazu, rechtswidrige Inhalte nach Hinweis zügig zu prüfen und gegebenenfalls zu entfernen. Deshalb ist eine möglichst präzise Meldung entscheidend.
In der Praxis empfiehlt sich regelmäßig folgendes Vorgehen:
- Sämtliche Inhalte dokumentieren,
- den Fake-Account über Instagram melden,
- zusätzlich eine schriftliche Löschungsaufforderung übermitteln,
- bei ausbleibender Reaktion anwaltliche Schritte prüfen.
Gerade auf Instagram sollten Betroffene schnell handeln. Storys, Nachrichten oder kurzfristig veröffentlichte Inhalte können innerhalb kurzer Zeit verschwinden.
Deshalb empfiehlt es sich insbesondere, folgende Inhalte frühzeitig zu sichern:
- Profilname und Nutzername,
- Beiträge und Reels,
- Storys,
- Direktnachrichten,
- Kommentare,
- Datum und Uhrzeit,
- Followerzahl.
Reagiert die Plattform nicht oder drohen erhebliche Schäden, kommen anwaltliche Schritte bis zu einem gerichtlichen Eilverfahren in Betracht.
Wichtig ist dabei hauptsächlich die Zeit. Wer zu lange wartet, riskiert im einstweiligen Rechtsschutz den Verlust wichtiger Handlungsmöglichkeiten.
Wer steckt hinter dem Fake-Profil?
Die Löschung des Accounts beendet nicht immer das eigentliche Problem. Viele Betreiber erstellen kurze Zeit später neue Profile oder setzen ihre Aktivitäten über andere Accounts fort.
Wer dauerhaft gegen den Täter vorgehen oder Schadensersatzansprüche prüfen möchte, benötigt regelmäßig die Identität der verantwortlichen Person. Genau das ist häufig der schwierigste Teil, da Fake-Accounts meist anonym betrieben werden.
In Betracht kommen insbesondere:
- Strafanzeigen,
- Auskunftsansprüche gegen Plattformbetreiber,
- Bestandsdatenauskünfte,
- Ermittlungsmaßnahmen der Behörden.
Sobald die verantwortliche Person identifiziert ist, kommen weitergehende Ansprüche wie Unterlassung oder Schadensersatz in Betracht.
Schadensersatz bei Fake-Profilen?
Fake-Accounts können erhebliche wirtschaftliche und persönliche Schäden verursachen. Denkbar sind etwa Umsatzeinbußen, verlorene Kooperationen oder nachhaltige Rufschäden.
Besonders relevant ist dies für:
- Unternehmen,
- Influencer,
- Creator,
- Coaches,
- öffentliche Personen.
Ob tatsächlich ein Schadensersatzanspruch besteht, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. In schwerwiegenden Fällen kann neben finanziellen Schäden auch ein Anspruch auf immateriellen Schadensersatz in Betracht kommen.




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